Sicher im Verkehrsraum unterwegs

Pedelec-Fahrer gibt Handzeichen, um nach rechts abzubiegen
Foto: vzbv / Markus Gloger

Radfahren ist gesund, macht Spaß, entlastet die Straße und ihre Anwohner und schont überdies Umwelt und Klima. Der Fahrradverkehr ist zudem ein bedeutsamer Bestandteil der Mobilität und das Radfahren erfreut sich steigender Beliebtheit. Rund zehn Prozent aller Wege in Deutschland werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Mehr als 80 Prozent aller deutschen Haushalte verfügen über mindestens ein Fahrrad. Das macht bundesweit etwa 78 Millionen Fahrräder, darunter drei Millionen Elektroräder.

Mit der stetig wachsenden Anzahl von E-Rädern steigt auch die Zahl von Unfällen, an denen Pedelecs beteiligt sind. Eine gesonderte Erfassung von Elektrorädern in der offiziellen Unfallstatistik gibt es erst seit 2014, weswegen Aussagen über ein spezifisches Unfallrisiko für dieses relativ neue Verkehrsmittel nur begrenzt möglich sind.

Pedelec-Fahrer besonders gefährdet?

Die aktuelle amtliche Unfallstatistik zeigt, dass Unfälle mit Pedelecs im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen haben. So gab es 2016 gut 33 Prozent mehr Unfälle mit Pedelec-Beteiligung als im Jahr zuvor. Die Zahl der Getöteten stieg um fast 70 Prozent, die Zahl der Schwerverletzten um ein Drittel. Möglicherweise ist dies nur eine Momentaufnahme und erst die Auswertung von Unfallzahlen in den kommenden Jahren lässt seriöse Schlussfolgerungen über die besondere Gefährdung von Pedelec-Fahrern zu.

Fest steht jedoch, dass mit steigendem Alter die Reaktionsfähigkeit nachlässt und Unfälle in der Regel schwerwiegendere Auswirkungen haben als bei jüngeren Menschen.

Unfallbeteiligte und Unfallursachen

Hauptunfallgegner, beim Pedelec gleichermaßen wie beim Fahrrad, ist der Pkw. Insbesondere das Fehlverhalten von Kraftfahrern beim Abbiegen und das Nichtgewähren der Vorfahrt führen immer wieder zu Unfällen mit teilweise tödlichem Ausgang. Begünstigt wird dies oft bei Gehweg-Radwegen, wo durch parkende Kraftfahrzeuge und/ oder Vegetation Auto- und Lkw-Fahrern die Sicht auf den separat geführten Fahrrad- und Pedelec-Verkehr fehlt.

Häufig sind auch Rad-Unfälle durch Fehler beim Ein- und Aussteigen, die durch Insassen von Kraftfahrzeugen verursacht werden (fehlender Schulterblick, bevor die Autotür geöffnet wird).

Zum unfallträchtigsten Fehlverhalten auf Radfahrerseite gehören die verbotswidrige Benutzung der Fahrbahn oder des Gehwegs, beispielsweise das Befahren von Radwegen und Einbahnstraßen entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, Fehler beim Einfahren in den fließenden Verkehr und nicht angepasste Geschwindigkeit.

Sehr häufig kommt es bei Rad- und Pedelec-Fahrern auch zu sogenannten Alleinunfällen, an denen keine weiteren Verkehrsteilnehmer beteiligt sind. Dazu zählen zum Beispiel Stürze durch Schäden an der Fahrbahn (Schlaglöcher, Baumwurzeln) oder durch unangepasste Fahrweise etwa bei Gefällestrecken.

Wie werde ich wahrgenommen?

Ob Sie auf einem Pedelec oder einem herkömmlichen Fahrrad unterwegs sind, können die meisten Verkehrsteilnehmer selbst auf den zweiten Blick oft nicht erkennen. Im Vergleich zum Fahrrad erlaubt die Elektrounterstützung des Pedelecs ein entspannteres Fahren und eine entsprechende Anmutung des Radlers, der beispielweise weniger häufig oder stark in die Pedale tritt. Dies wird von anderen Verkehrsteilnehmern oft mit „langsam“ assoziiert, selbst wenn das E-Rad mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit unterwegs ist.  Diese Fehleinschätzung kann schwerwiegende Unfälle zur Folge haben.

Für Fahrer von E-Rädern ist es daher besonders wichtig, darauf zu achten, stets vorrausschauend und mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Gehen Sie davon aus, dass Ihr Tempo von anderen Verkehrsteilnehmern falsch eingeschätzt wird und daher Fehler passieren.

Achten Sie darauf, dass andere Verkehrsteilnehmer erkennen können, was Sie vorhaben. Verhalten Sie sich eindeutig und geben Sie rechtzeitig Handzeichen, wenn Sie abbiegen, den Fahrstreifen wechseln oder wenden möchten. Schauen Sie in jedem Fall über Ihre linke Schulter zurück, bevor Sie die Spur wechseln, etwa um ein Hindernis zu umfahren. Suchen Sie nach Möglichkeit den Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern, um sicherzugehen, dass Sie beachtet werden.

Unfälle mit schweren Folgen ereignen sich immer wieder durch rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge, insbesondere durch Lkw. Pedelec- oder Radfahrer, die sich seitlich oder schräg hinter dem Fahrzeug befinden, sind für Kraftfahrer schwer, im sogenannten Toten Winkel, also dem Bereich, der trotz Rückspiegel nicht einsehbar ist, sogar gar nicht zu erkennen. Stellen Sie daher insbesondere bei Lkw und Bussen an Kreuzungen immer hinter dem Fahrzeug auf, nicht daneben! Beharren Sie nicht auf Ihrer Vorfahrt, sondern lassen Sie das Fahrzeug den Kreuzungsbereich verlassen, bevor Sie weiterfahren.

Safety first

Fahren Sie gemäß der Devise: »Nach außen offensiv, innerlich defensiv.« Behaupten Sie selbstbewusst den nötigen Platz bzw. die Breite auf der Straße, den Sie brauchen. Als Fahrrad- und als Pedelec-Fahrer steht es Ihnen zu, auf Fahrbahnen, Seitenstreifen, Schutzstreifen, Radfahrstreifen und Radwegen zu fahren. Radwege oder Radfahrstreifen mit rundem blauen Radwegeschild sind benutzungspflichtig – ausgenommen, sie sind durch Schnee, Glätte oder andere Hindernisse unbefahrbar.

Ob auf dem Fahrradweg oder auf der Fahrbahn – rechnen Sie stets mit möglichen Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer und beharren Sie lieber einmal weniger auf Ihr Vorfahrtsrecht – insbesondere gegenüber rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen.

Achten Sie darauf, einen ausreichenden Abstand von mindestens einem Meter zu parkenden Fahrzeugen bzw. zum Bordstein zu halten. Häufig öffnen Autofahrer nach dem Einparken die Autotür, ohne auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten. Durch den erforderlichen Abstand vermindern Sie das Risiko, gegen eine sich öffnende Türkante zu prallen oder plötzlich seitlich ausscheren zu müssen, ohne den rückwärtigen Verkehr beachten zu können. Zudem hält Ihr Sicherheitsabstand Kraftfahrer eher davon ab, ohne den vorgeschriebenen erforderlichen Seitenabstand an Ihnen vorbeizufahren. Sollte dennoch ein Fahrzeug zu nahe kommen, haben Sie in solch brenzligen Situationen noch Platz, um noch etwas nach rechts auszuweichen.

Anders als auf der Fahrbahn müssen Sie auf Radwegen häufig mit Hindernissen wie Pollern, Laternenpfählen oder Baumwurzeln rechnen. Das ist einer der Gründe, warum es bei Fahrrad und Pedelec häufig zu Unfällen ohne ein Mitwirken anderer Verkehrsteilnehmer kommt. Passen Sie Ihre Geschwindigkeit der Beschaffenheit des Weges an, um rechtzeitig reagieren zu können.

Um sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, sollten Sie außerdem folgende Punkte beachten: Bleiben Sie beim Fahren stets aufmerksam und lassen Sie sich nicht ablenken – auch dann nicht, wenn Ihnen die Strecke vertraut ist. Bleiben Sie jederzeit reaktionsbereit. Das Nutzen des Smartphones, das Telefonieren ohne Headset und lautes Musikhören während des Radelns sind verboten.

Hinweis: Für Pedelec-Fahrer besteht – wie für Radfahrer – keine Helmpflicht. Ein Helm verhindert keinen Unfall, kann aber bei einem Sturz auf den Kopf vor Verletzungen schützen bzw. diese abmildern. Das Tragen eines Fahrradhelms ist daher zu empfehlen. Wichtig ist, dass der Helm fest sitzt, also nicht über Stirn oder in den Nacken rutscht, aber nicht drückt. Probieren Sie daher im Laden mehrere Modelle aus, bevor Sie sich für einen Helm entscheiden. Etwa alle fünf Jahre und natürlich nach einem Sturz sollte der Helm ausgetauscht werden.

Sehen und gesehen werden

Auf einem Fahrrad oder Pedelec haben Sie eine vergleichsweise schmale Silhouette und werden daher insbesondere bei schlechten Sichtbedingungen von anderen Verkehrsteilnehmern häufig unzureichend wahrgenommen. Damit Sie nicht übersehen werden, ist es umso wichtiger, dass Sie sich durch entsprechende Ausstattung gut sichtbar machen. Achten Sie auf funktionierende helle Beleuchtung und Reflektoren an Ihrem E-Rad. Helle Kleidung mit retroreflektierenden Details oder nützliche Accessoires wie Reflektorbänder für das Hosenbein erhöhen Ihre Sichtbarkeit zusätzlich. Damit Handzeichen für den Spurwechsel oder das Abbiegen im Dunkeln besser gesehen werden, empfiehlt es sich zudem, reflektierende Schnapp- oder Klett-Armbänder für das Handgelenk zu nutzen.

Auf dem neuesten Stand für mehr Sicherheit

Unfälle lassen sich oft vermeiden, wenn man mit den geltenden Regeln für den Straßenverkehr vertraut ist. Aber auch wenn die Verkehrsregeln jedem Verkehrsteilnehmer bekannt sein sollten, kommt es immer wieder zu Unfällen bspw. durch Unkenntnis von Vorfahrtsregeln oder durch einen bewussten Regelverstoß wie die Missachtung roter Ampeln oder von Stoppschildern. Tragen Sie zu einer höheren Verkehrssicherheit aller bei, indem Sie sich an die Regelungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) halten und über Neuerungen auf dem Laufenden bleiben.

Seien Sie sich bewusst, ob bzw. welche körperlichen Einschränkungen Ihre Sicherheit im Verkehr vermindern können. Ist Ihnen die richtige Ausführung des Schulterblicks nicht mehr möglich, kann die Anbringung eines Rückspiegels sinnvoll sein. Auch das regelmäßige Überprüfen Ihres Seh- und Hörvermögens trägt dazu bei, rechtzeitig Defizite zu erkennen und diese zu beheben.  

Nicht jeder fühlt sich stets gleichermaßen sicher im Straßenverkehr. Bei Bedarf können Sie von Hauptverkehrsstraßen auch auf ruhige Neben- und Wohnstraßen sowie für den Radverkehr freigegebene Wege durch Parks und Grünanlagen ausweichen. Immer mehr Städte stellen spezielle Fahrrad-Pläne oder ‑Apps zur Verfügung, in denen besonders radlerfreundliche Wege aufgeführt sind.

Hilfreich beim (Wieder-)Erlangen von mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein im Verkehr sind Pedelec-Kurse, in denen Sie mit Unterstützung von professionellen Trainern den sicheren Umgang mit Ihrem E-Rad üben können. Pedelec-Schulungen in Ihrer Nähe finden Sie auf unserer Karte.

Link-Tipps

◊ Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) von 2017 zur Verkehrssicherheit von E-Rädern und E-Radfahrern: Unfallforschung kompakt. Verkehrssicherheit von Elektrofahrrädern

◊ Sicherheitsanalyse der Schweizer Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) von 2015 zu Unfällen mit E-Rädern: bfu-Report Nr. 72. E-Bikes im Strassenverkehr. Sicherheitsanalyse

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